Dass Photoshop nicht nur aus der professionellen Fotografie nicht mehr wegzudenken ist, sondern auch unsere Urlaubs- und Alltagsfotografie sehr beeinflusst hat, möchte ich euch anhand einer kleinen Geschichte erzählen:

Es war im Jahr 2014, ich war mit meinem Rucksack ein Jahr als Backpacker in Asien unterwegs. An diesem Tag fuhr ich mit einer Gruppe junger Leute aus meinem Hostel auf eine Aussichtsplattform in Penang (George Town) in Malaysia. Wir alberten herum und schossen selbst ein paar Fotos unserer kleinen Gruppe. Dann kam eine Familie aus Singapur auf mich zu und bat mich, auch von ihnen ein paar Fotos zu schießen.

Ich bemühte mich, schöne Bilder von ihnen zu machen. Doch ein junger Australier, aus meiner Hostel-Gruppe meinte, besonders lustig zu sein und sprang hinter der Familie ständig ins Bild. Ich entschuldigte mich für den jungen Mann und meinte zur Familie, dass ich noch ein Bild schießen würde, damit sie eines ohne dem Australier im Hintergrund haben. Die Antwort der Touristen aus Singapur überraschte mich. Sie meinten: „Nicht notwendig, wir haben Photoshop!“

So hatte ich das bisher noch nie gesehen. Werden im technologie-affinen Asien denn alle Urlaubsfotos einzeln bearbeitet, bevor sie ins digitale Onlinealbum wandern? Wird von einer nicht ganz so perfekten Kulisse einfach das wegretouchiert, was man nicht auf dem Bild haben möchte? Werden womöglich noch ein paar Mönche oder Lotusblüten auf das Foto kopiert, wenn der „Schnappschuss“ dadurch noch authentischer erscheint? Geht es beim Fotografieren gar nicht mehr darum, die Realität einzufangen, sondern den ohnehin auch retouchierten Fotos auf Urlaubsprospekten so nahe wie möglich zu kommen?

Da könnte man sich die Frage stellen, warum man dann seinen Freunden nach dem Urlaub nicht gleich ein paar perfekte Werbebilder vom Urlaubsort zeigt, anstatt sich die viele Mühe zu machen, selbst eine Kamera mitzunehmen und die Bilder dann nach dem Urlaub einzeln zu bearbeiten, bis sie ohnehin fast genauso aussehen, wie die Bilder aus dem Internet?