Wann haben wir begonnen, unsere Speisen zu fotografieren?

Vor 10 Jahren kannte ich noch keinen, der regelmäßig sein Essen fotografiert hat – das Selbstgekochte und das in einem Lokal. Es konnte im Urlaub vielleicht mal passieren, dass man von einem besonderen Gericht ein Foto samt dessen Besitzer gemacht hatte – allerdings ging es dabei vor allem darum, die Stimmung einzufangen.

Doch wann haben die Leute begonnen, ihr Essen Essensfotos im Internet immer und überall zu fotografieren? Und vor allem, warum machen Sie das?

Beginnen wir einmal bei den Food-Bloggern: Nicht zuletzt durch diverse moderne Kochshows wie zum Beispiel “Das perfekte Dinner”, erfreut sich kochen auch bei jungem Publikum wieder einer großen Beliebtheit. Und – vielleicht ist es ein Phänomen dieser Generation, dass sie alles, worauf sie stolz sind, nochmals extra fürs Foto inszenieren und ins Internet stellen. Man könnte auch unterstellen, dass es nicht wenige Leute gibt, die genau zu diesem Zwecke überhaupt kochen: Es ist wichtiger, wie farbenprächtig die Speise aussieht, als wie sie schmeckt. Es ist wichtiger, dass sie auf stylischem Geschirr inszeniert ist, als dass sie den Hunger stillt. Und erst wenn das perfekte Bild im Kasten, besser gesagt in den Kästen – im Smartphone und im Internet – ist, darf gegessen werden. Ob das Essen dann noch warm ist, spielt keine Rolle. Hauptsache es macht sich gut im Netz.

Ich stelle mir vor, wie es den Partnern dieser Foodblogger geht, wenn sie sich täglich entscheiden müssen, ob sie das Gericht noch warm zu sich nehmen, dafür aber alleine am Tisch sitzen, oder ob sie das kalte Essen gemeinsam mit dem fotografierenden Partner “genießen”.

Die nächste Unart der Essensfotografie stelle ich in Restaurants fest. Ich nehme einmal an, es ist nicht gerade nach Knigge, nach dem Servieren jedes Gerichts zuerst das Smartphone zu zücken, ein paar Schnappschüsse zu machen und dann erst mit dem Essen zu beginnen. Ich würde mir neben dem Rauchverbot auch ein Fotoverbot in Restaurants wünschen!